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RSI und seine Grenzen

Jetzt, da wir so langsam in der Neuen Normalität Fuß gefasst haben und Videokonferenzen fast schon zum Alltag gehören, findet leider auch ein Umdenken statt: Viele Unternehmen glauben, Präsenzveranstaltungen nun 1:1 ins Virtuelle verlegen zu können. Und zwar ohne Rücksicht auf die Besonderheiten, die ein Videocall erfordert. Wir alle sind uns bewusst, dass Videokonferenzen uns auch in Zukunft begleiten werden. Aber hielt man sich bislang an die (gerechtfertigte) Empfehlung, die Meetingdauer aus Konzentrationsgründen im Rahmen zu halten und max. 90 Minuten nicht zu überschreiten, erreichen mich mittlerweile Anfragen für 8-stündige Videokonferenzen ohne nennenswerte Pausen oder Mittagspause! Zu lange, so scheint es, haben wir alle auf „richtige“ Konferenzen warten müssen, jetzt soll es eben auch online gehen. Doch so einfach ist es leider nicht. Neben einer Ermüdung der Teilnehmenden sind vor allem wir Konferenzedolmetscher:innen von den langen Tagungszeiten betroffen. Der Grund für diese zeitliche Begrenzung liegt an der hohen kognitiven Belastung beim Ferndolmetschen. Nicht nur die Audioqualität leidet durch die Internetübertragung, sondern wir arbeiten mit zwei Bildschirmen und zwei Headsets, um unsere Co-Kabine hören und sehen zu können und eine reibungslose Übergabe beim viertelstündlichen Abwechseln zu ermöglichen. Das zeigt dieser Einblick in die virtuelle Kabine. Die Folge sind Übermüdung, Zoom-Fatigue, erhöhte Gefahr von Missverständnissen, was sich auch auf die Qualität des Dolmetsch-Outputs auswirkt. Dauert ein Termin zu lange oder fehlt der Fokus, gehen sowohl bei den Teilnehmenden als auch uns Dolmtscher:innen Konzentration und Effizienz verloren. Halten Sie sich daher in Videokonferenzen kurz, achten Sie auf eine strikte Zeit- und Pauseneinhaltung (praktischerweise durch die Unterstützung eines gut gebrieften Moderators) und überziehen Sie nicht.