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Knoten

So ein Blog ist schon praktisch: was ich blogge, kann ich später nachschlagen. Das hält die Erinnerung an schöne Einsätze oder interessante Übersetzungsaufträge oder amüsante Erlebnisse im Alltag frisch. Aber manchmal will ich fast wie besessen jedes erinnerungswürdige Fitzelchen gleich auf dem iPhone festhalten, sodass ich in der Gegenwart kaum noch wirklich anwesend bin. Dabei habe ich gelesen, schon ein Schnappschuss würde ganze Erinnerungsketten im Gehirn aufrufen. Wie ein Knoten im Taschentuch. Je mehr man aber ein Geschehen im Detail dokumentiert, desto mehr würde man das Gehirn einschränken und das tatsächlich Erlebte verzerren.

Genauso verhält es sich auch mit dem Dolmetschen. Wenn ich eine Rede konsekutiv notiere, dann schreibe ich nicht jedes Wort stenografisch auf. Ich versuche, mich auf das Gesagte zu konzentrieren, es mir bildlich vorzustellen und mache nur hier und da ein Symbol oder schreibe einen Namen oder eine Zahl auf. Die Symbole und die gesamte Notizentechnik lernen wir im Studium und perfektionieren und individualisieren sie mit jedem Einsatz. Das und das jeweilige Umfeld reichen, um die Lücken zu füllen und aus dem Gedächtnis das zu dolmetschen, was gesagt wurde. Lieber schenke ich dem Redner meine ungeteilte Aufmerksamkeit, als wild alles mitzuschreiben. Und ich glaube, das ist ihm auch lieber…